Gurken-Sticks statt Salamie-Brot

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Allgemeine Zeitung Alzey-Land                                                                     Flomborn19.12.2013

Gurken-Sticks statt Salami-Brot

 

Für ihr Ernährungsprojekt gewann die Flomborner Grund- und Realschule plus einen Preis.
Foto: photoagenten/Axel Schmitz

Von Carina Schmidt

VERPFLEGUNG Flomborner Grund- und Realschule plus erhält Auszeichnung für Projekt „Fleisch hat heute schulfrei“

FLOMBORN - Kohlrabi und Paprika als Pausensnack? Das war für einige Schüler der Flomborner Grund- und Realschule plus eher neu. Inzwischen sind die Viert- und Sechstklässler der beiden Schulen aber zu regelrechten Ernährungsexperten herangereift.

Im Rahmen eines Kooperationsprojekts haben die Kinder am bundesweiten „Tag der Schulverpflegung“ teilgenommen. Unter dem Motto „Fleisch hat heute schulfrei“ hatten sich die Realschüler im Fach Naturwissenschaft mit dem Thema „Körper und Gesundheit“ beschäftigt. Was sie sich dort an Wissen aneigneten, erklärten sie wiederum den Grundschülern. Für diese Aktion wurden die Flomborner Schulen nun neben zwei weiteren Schulen vom rheinland-pfälzischen Ernährungsministerium mit 500 Euro ausgezeichnet. Dabei war die Idee mit den Ernährungsexperten nur eine von vielen Einzelaktionen, die sich die Schüler mit ihren Lehrerinnen Melanie Osterdorf und Jutta Huber ausgedacht hatten. „Zunächst starteten wir im Unterricht eine Umfrage, wer an wie vielen Tagen Gemüse, Obst, Wurst und Fleisch isst“, berichtete Ostendorf. Anhand der Ernährungspyramide wurde dann erklärt, warum übermäßiger Fleischkonsum ungesund ist. Fragen wie „Was ist ein Vegetarier?“ sowie die Gegenüberstellung von Massentierhaltung und artgerechter Tierhaltung sorgten für allerhand Gesprächsstoff.

  • GEWINNER

Insgesamt hatten 50 Schulen an dem Wettbewerb teilgenommen. Weitere Gewinner sind die Realschule plus Edenkoben und die Realschule plus Lahnstein. Der Sonderpreis Veggieday geht an die Grundschule in Kirchheimbolanden.

Am Aktionstag selbst stand auf dem Speiseplan der Ganztagsschüler dann eine vegetarische Kürbispizza. Die Sechstklässler organisierten außerdem einen Fensterverkauf aus der Schulküche in den Pausenhof. „Schon nach wenigen Minuten war das Buffet ausverkauft“, erzählte Sandra Kremin, Konrektorin der Grundschule. Kein Wunder, denn die Angebote für 50 Cent waren nicht nur lecker, sondern hübsch angerichtet. Darunter etwa Brote mit Gemüsegesichtern, Obst- und Rohkostspieße sowie selbst gemixte Milchshakes. „Die Schüler waren so begeistert, dass wir nun jeden ersten Donnerstag im Monat einen gesunden Pausensnack anbieten.“

Was die Kinder in der Schule über die Ernährungspyramide gelernt haben, hat bei manchen Schülern sogar auf den Speiseplan im Elternhaus abgefärbt. „Früher gab es bei uns öfters Rollbraten, und für die Schule hatte ich morgens ein Salamibrot“, sagte der elfjährige Robin. „Inzwischen essen wir mehr Salat, und ich bekomme morgens zum Beispiel Gurken-Sticks.“ Bei Mitschülerin Lea wurde zu Hause schon immer wenig Fleisch gegessen. „Was Massentierhaltung bedeutet, das wusste ich vorher aber nicht.“ Bei beiden Schülern ist das Ziel des Projekts jedenfalls erreicht: das Bewusstsein für die Aspekte einer gesunden, abwechslungsreichen und fleischreduzierten Ernährung.

Um die gelungene Kooperation weiterzuführen, sind weitere schulübergreifende Projekte geplant. Schul-Caterer René Laloi wird auf dem Speiseplan zudem einen festen fleischfreien Tag pro Woche einführen. Eine Wunschvorstellung der Kollegien für die nahe Zukunft ist die Einrichtung eines eigenen Schulgartens. Mit den 500 Euro ist aber zunächst einmal ein Spielgerät für den Schulhof geplant.

Überreicht wurde das Preisgeld von Hildegard Schleßmann-Fister vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinhessen-Nahe-Hunsrück. „Damit soll das Erfolgserlebnis der Kinder gewürdigt werden.“ Auch Steffen Unger, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Alzey-Land, zeigte sich vom Engagement der Schüler begeistert. Damit die zahlreichen Plakate, die für das Projekt angefertigt wurden, nun nicht in irgendeiner Schublade verstauben, will er Klemmleisten für die Mensa besorgen, wo dann auch die Ergebnisse weiterer Ernährungsprojekte ausgestellt werden können.